DEUTSCHLANDFUNK - Köln

im Deutschland-Radio

Redaktion Hintergrund Kultur

Sendung: Sonntag, d. 23. Mai 2004, 9.30 - 10.00 Uhr

Das Paradigma der Hirnforschung

1. Die innere und die äussere Welt

 

3. Spr.:

Die Hirnforschung ist Teil der Neurowissenschaft, die, im Verbund mit weiteren Forschungen, aufklþren will, wie das Bewu§tsein, die Emotionen, die Trþume, das Gedþchtnis, die Sprache usw. funktionieren und wie Stšrungen zustande kommen. Das Gehirn ist letztlich nur ein Organ unter anderen und besteht, ebenso wie die Leber oder der Magen, aus Zellen. Zugleich aber hat es eine Sonderstellung inne: es ist das Organ unseres Geistes.

Wir sind dieses Organ, sprechen mit ihm Ÿber es.

 

1. Spr.:

Der berŸhmte deutsche Philosoph und Mathematiker Leibniz verglich das Gehirn mit einer MŸhle; heute neigen wir zu Vergleichen mit zeitgenšssischen Maschinen wie dem Computer. Auch wenn man sich in diesem Bild ein wenig mehr dem unfa§baren Phþnomen des Geistes nþhert und nicht nur mechanisch ineinandergreifende Zahnrþder vor sich sieht, so besteht doch auch der Computer, ganz anders als das Gehirn, letztlich nur aus einer riesigen Anzahl von Schaltern und kann uns das Geistige am Gehirn nicht wirklich veranschaulichen.

 

3. Spr.:

Erst wenn es gelingen wŸrde, einen Quantencomputer zu bauen, der mit Flexibilitþt und emotionaler Beziehungsfþhigkeit ausgerŸstet wþre und sich þhnlich wie die menschliche Intelligenz in Verbindung zum eigenen Kšrper und zu anderen Menschen verhielte, wŸrde uns dieser Vergleich weiterbringen. Die Quantentheorie, auf deren Grundlage ein solcher Computer entwickelt wŸrde, ist heute die avancierteste Theorie, die den Menschen in seiner Fþhigkeit zur Selbstreflexion und im Gesamtzusammenhang der Wirklichkeit darzustellen vermag. Auf dieser Stufe des Verstehens werden dann auch viele unserer Kategorien und Einteilungen (wie etwa zwischen innerer und þu§erer Welt) hinfþllig. Bleiben wir aber erst einmal noch bei dieser Unterscheidung und fragen wir:

 

1. Spr.:

Wie kšnnen wir die GefŸhle, die Emotionen, das Bewu§tsein, die Erinnerungen und die Trþume, also die innere Welt, in der wir mindestens ebenso stark wie in der þu§eren gesellschaftlichen Welt leben, erfassen? Kšnnen wir diese oft so wenig greifbare und vage Welt, die uns die Psychoanalyse auf unvergleichbare Weise erschlossen und zu deuten versucht hat, mit der Neurowissenschaft tatsþchlich so grundlegend neu und solide beschreiben, wie uns verhei§en wird, etwa in der folgenden Formulierung von Oliver Sacks:

 

2. Spr. :

ÒDie Neuropsychoanalyse breitet ihre FlŸgel aus und kann sich zugleich davon Ÿberzeugen, da§ sie immer fest in nachweisbaren und ŸberprŸfbaren Daten verankert bleibt.Ó

 

1. Spr.:

Bevor wir uns in der zweiten Folge dieser Sendereihe der hier angedeuteten …ffnung auf die Psychoanalyse zuwenden, sollen die GrundzŸge der modernen Neurowissenschaft und ihre Beitrþge zur Entwicklung und Funktionsweise des Gehirns skizziert werden.

 

3. Spr.:

Das Gehirn mŸssen wir uns, ganz þhnlich wie das Unbewu§te, als ein extrem dynamisches System vorstellen. Jahrhundertelang gab es die mannigfaltigsten Spekulationen Ÿber den Ort der Seele. Der im 2. Jahrhundert nach Christus lebende griechische Arzt Galen war der erste prominente Vertreter einer medizinischen Lehre, nach der das Gehirn als Seelensitz anzusehen sei. Darauf grŸndend entwickelte sich im Mittelalter eine Zellentheorie, wonach die Zellen oder Hirnkammern den Wohnsitz der Seele ausmachten. Im 17. und 18. Jahrhundert rŸckten feste Strukturen des Gehirns in das Zentrum des Interesses. Als ma§geblich fŸr die Entwicklung der Neurowissenschaft werden die Forschungen des Wiener Arztes Franz Joseph Gall (zu Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts) angesehen. Er lokalisierte die seelischen Anlagen auf der Oberflþche der Hirn-Hemisphþren.

Der Medizinhistoriker Heinz Schott fa§t die Entwicklung so zusammen.

 

2. Spr.:

ÒObwohl Galls Schþdellehre vor allem ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in der Medizingeschichtsschreibung vor dem Hintergrund des Siegeszugs der naturwissenschaftlichen Medizin als unhaltbares Konstrukt kritisiert und ihr Urheber als Spintisierer belþchelt wurde, war sie aus heutiger Sicht fŸr die Entstehung der modernen Neurowissenschaft bahnbrechend. Denn erstmals wurde die hirnphysiologische bzw. anthropologische Bedeutung der Hirnrinde grundsþtzlich anerkannt, wenn auch auf hšchst spekulativem Weg. Die phantastisch oder gar bizarr anmutende ÔOrganologieÕ darf jedoch nicht vergessen machen, da§ Gall selbst ein serišs arbeitender und tatsþchlich begnadeter Naturforscher und Hirnanatom war, der den Weg fŸr die Lokalisation von Gehirnfunktionen bahnte, z.B. die Entdeckung der motorischen Zentren, und die hirnanatomische Ausrichtung psychiatrischer Forschung im ausgehenden 19. Jahrhundert einleitete.

Es ist bemerkenswert, da§ gleichzeitig mit der Ausbreitung der Gallschen Schþdellehre im frŸhen 19. Jahrhundert die medizinische (Tiefen)Psychologie im Geiste der romantischen Naturphilosophie begrŸndet wurde, vor allem durch die Theorie einer Ôbewu§tlosen SeeleÕ im Bauchgangliensystem und die entwicklungsgeschichtliche Lehre vom ÔUnbewu§tenÕ. So wurden vor ca. 200 Jahren nicht nur die Weichen fŸr Hirnforschung und Neurowissenschaft gestellt, sondern auch fŸr Psychoanalyse und Psychosomatik - lange vor Freud.Ó

 

 

1. Spr.:

Die heutige Hirnforschung begreift das Gehirn als ein informationsverarbeitendes System. Information ist dabei der Oberbegriff fŸr die Vielfalt der Stimuli, denen der Mensch ausgesetzt ist.

Nach dem heutigen Wissensstand organisiert das Gehirn sich selbst und ordnet seine Funktionen nicht einer zentralen Entscheidungsinstanz unter. Auch spricht alles dafŸr, da§ es selbst die Initiative ergreift und nicht lediglich auf Reize reagiert. Was dies in seinen Konsequenzen tatsþchlich bedeutet, vor allem auch in strafrechtlicher Hinsicht, wird Gegenstand der dritten Folge dieser Reihe sein.

 

3. Spr.:

Wenden wir uns nun also den einzelnen Arbeitsgebieten der Neurowissenschaft, vor allem der Hirnforschung und ihrer entscheidenden Fortschritte im letzten Vierteljahrhundert, zu.

 

2. Spr. :

ÒAusgeklŸgelte Techniken ermšglichen uns heute, jeden Teil des lebenden Gehirns in Aktion sichtbar zu machen, vom grš§ten Schaltkreis bis hin zur Synapse, der winzigen LŸcke zwischen Nervenzellen, die elektrische Aktivitþt einzelner MolekŸle im Gehirn aufzuzeichnen; sie ermšglichen uns weiterhin, aus dem riesigen Heuhaufen der menschlichen DNS einzelne Gene zu isolieren, Gene, die z.B. an der frŸhen neuronalen Entwicklung, an geistiger Retardierung und seniler Demenz beteiligt sind.Ó

 

1. Spr.:

Diese Experimente sowie unser rasch zunehmendes Wissen Ÿber die Arbeitsweise und die Entwicklung des Gehirns vermitteln uns ein sehr viel besseres Verstþndnis fŸr die Vorgþnge im Gehirn des Kleinkindes, als wir es je hatten. Mit dieser hoffnungsvollen Feststellung eršffnet die Neurobiologin Lise Eliot ihre grundlegenden Studien zur Gehirnentwicklung in den ersten fŸnf Lebensjahren.

 

2. Spr. :

ÒEin Baby kommt keineswegs als Ôunbeschriebenes BlattÕ zur Welt, sondern mit vielfþltigen geistigen Begabungen und Anlagen - Fþhigkeiten, die in einzigartiger Weise den kritischen BedŸrfnissen der ersten Lebensphasen angemessen sind. NatŸrlich ist sein Gehirn klein, aber es ist keineswegs die Miniaturausgabe eines Erwachsenengehirns.Ó

 

3. Spr.:

Einige Forscher glauben, da§ Sþuglinge bereits in den ersten Lebensmonaten ein umfþngliches ÒWissenÓ von der ihnen zugþnglichen Welt haben. Die Rede vom Òkompetenten SþuglingÓ scheint indes zu optimistisch zu sein, ist dieses Wissen doch ein ausgesprochen wahrnehmungsorientiertes.

Sicher ist:

 

1. Spr.:

Die niedrigeren Hirnstrukturen sind bei der Geburt schon fast vollstþndig entwickelt. Sie steuern die lebenswichtigen Kšrperfunktionen. Das Neugeborene ist in der Lage zu Ÿberleben, zu wachsen und Bindungen mit den Bezugspersonen einzugehen. Dann Ÿbernehmen die hšheren Gehirnregionen die Kontrolle Ÿber das geistige Leben des Babys. Dieser Ablauf der Gehirnentwicklung - die Ausbildung der GefŸhlsregungen, des Gedþchtnisses, der bewu§ten Erfahrung und der rationalen Fþhigkeiten - ist weitestgehend genetisch festgelegt. Alle gesunden Babys lernen mehr oder weniger auf dieselbe Weise laufen und sprechen.

 

2. Spr. :

ÒDoch eine Frage drþngt sich auf: Warum werden Babys mit so primitiven Gehirnen geboren? Warum beginnen sie, wenn der Verlauf der Entwicklung weitgehend vorherbestimmt ist, ihr Leben nicht mit vollstþndig ausgebildetem Gesichtssinn und Gehšr, warum sind sie nicht in der Lage zu laufen, zu reden, zu multiplizieren und zu dividieren? Nach einer Hypothese ist unser aufrechter Gang dafŸr verantwortlich: Das Leben auf zwei Beinen, so die Annahme, setze dem Beckenumfang gewisse Grenzen, so da§ eine Frau nur ein Kind mit relativ kleinem Kopf hervorpressen kšnne - das hei§t ein Baby mit nur teilweise entwickeltem Gehirn.Ó

 

3. Spr.:

FŸr viele Forscher scheint indessen die Erklþrung plausibler zu sein, da§ der Mensch mit einem so gering ausgebildeten Gehirn geboren werde, damit er die Notwendigkeit des LernenmŸssens erfasse. In diesem Sinn hat man das Gehirn des Babys eine ÒLernmaschineÓ genannt, die sich, anders als etwa ein PC, selbst programmiert.

 

2. Spr. :

ÒDas Hirn ist ein Verband kommunizierender Zellen und deshalb unweigerlich auch mit der Au§enwelt verbunden. Jede BerŸhrung, jede Bewegung, jede Empfindung wird in elektrische und chemische Aktivitþt Ÿbersetzt, die den genetischen Impuls verschiebt und sehr subtil den Strukturierungsproze§ des kindlichen Gehirns beeinflu§t.Ó

 

1. Spr.:

Dieser Vorgang lþ§t sich auf folgende Weise veranschaulichen: Lassen Sie einen Ball einen Abhang hinunter rollen. Im groben Rahmen ist der Ablauf vorbestimmt. (Die Gene entsprechen in diesem Beispiel der Schwerkraft.) Aber jeder Abhang ist anders: lšchrig und uneben, mit Steinen und Strþuchern bedeckt oder aber glatt und eben. Die Umgebung beziehungsweise Umwelt wirkt sich also ma§geblich auf den Lauf des Balls beziehungsweise auf die Entwicklung des Babys aus.

Um sich selbstþndig in der Umwelt zurechtzufinden, mu§ das Kind neben dem motorischen Apparat, das ihm Bewegung ermšglicht, auch all die komplizierten Sinnessysteme entwickeln: den Tastsinn, den Gleichgewichts-, Geruchs- und Geschmackssinn, den Gesichts- und Gehšrsinn.

 

3. Spr.:

Um aber zu wissen und im Gedþchtnis zu behalten, wie sich die wahrgenommenen Dinge und Menschen anfŸhlen, wie wir uns zu ihnen in Beziehung setzen kšnnen und wie wir uns selbst dabei wahrnehmen, bedarf es des Bewu§tseins. Unser Bewu§tseinszustand resultiert aus all den befriedigten und unbefriedigten inneren BedŸrfnissen und der Art, wie wir uns zur þu§eren Welt verhalten und uns dabei fŸhlen. Der Neurologe Antonio Damasio bemerkt:

 

2. Spr. :

ÒBewu§tsein besteht aus flukturierenden Kopplungen des augenblicklichen Selbst-Zustandes mit dem augenblicklichen Zustand der Objektwelt.Ó

 

1. Spr.:

Oder in einer anderen Formulierung der Neurowissenschaftler Mark Solms und Oliver Turnbull:

 

2. Spr. :

ÒBewu§tsein ist das aus dem als Hintergrundmedium wirkenden Selbstgewahrsein hervorgehende Gewahrsein dessen, was um uns herum geschieht. Die verschiedenen ÔKanþleÕ des Bewu§tseins werden durch den HintergrundÕzustandÕ des Bewu§tseins gebunden. Er ist der ÔHomunkulusÕ: das kleine Wesen in Ihrem Kopf ist eine Projektion Ihres Kšrperselbst im wšrtlichen Sinn.Ó

 

3. Spr.:

Von Anfang sind wir wahrnehmende Wesen, begabt mit der Fþhigkeit, Au§enwelt in uns eindringen zu lassen und sie zu spŸren. Dann entwickeln wir ein Bewu§tsein von dem, was da geschehen ist. Nun lassen sich - und damit berŸhren wir auch die problematische Seite dieses Potentials - Wahrnehmung und Bewu§tsein zwar ÒeinschaltenÓ, aber nicht einfach ausschalten, zumindest nicht in dem Sinne, da§ man die wahrgenommenen, gefŸhlten und gespeicherten Bilder sofort auslšschen kšnnte. Die Bilder beharren unbewu§t, auch wenn wir sie bewu§t verdrþngt haben. Man kann zwar mit dem Willen neue Inhalte in das Gehirn einspeisen, man kann sich willentlich bestimmten Dingen mit seiner Aufmerksamkeit zuwenden. Aber vergessen kann man willentlich nicht! Wahrgenommenes und Erlebtes bleiben oft lebenslang gespeichert in den angenehmen wie in den dramatischen und traumatischen Inhalten.

 

1. Spr.:

Unser Tun, unsere Verhaltensweisen und Reaktionen speisen sich, genauso wie unsere Trþume, nur zu einem Bruchteil aus dem aktuellen Geschehen; die latenten Inhalte knŸpfen an das, wie Sigmund Freud sagte, Òþlteste Erlebte ... das bis in die Gegenwart hinein lebendig geblieben istÓ, an. Dieser (phantasmagorische) Untergrund bestimmt unser Tun und unsere Wahrnehmung.

 

3. Spr.:

Der Philosoph Gernot Bšhme hat in seiner Wahrnehmungslehre, Aisthetik, die fŸr jede Wahrnehmung ma§geblichen Anteile - wie etwa ÒAtmosphþrenÓ, ÒAtmosphþrischesÓ, ÒBefindlichkeitÓ, ÒSzenenÓ, ÒZeichen und SymboleÓ aufgeschlŸsselt. Ganz am Anfang jeder Wahrnehmung steht immer das SpŸren von Atmosphþren, von denen man affektiv betroffen ist. So spŸrt man etwa beim Sirren einer MŸcke zuerst die Bedrohlichkeit der Atmosphþre, noch bevor man das Gerþusch identifiziert hat. Der Raum um uns herum ist gleichsam ÒgestimmtÓ.

 

1. Spr.:

Allein die Tatsache, da§ die Au§enwelt im Auge sich abbildet oder im Ohr wie in einem Echoraum widerhallt, ist Tausenden und Abertausenden von Botschaftern und wundersamen Zutrþgern zu verdanken, an die man zuvor niemals gedacht hat. Erst ein Ausbleiben oder der všllige Verlust von Nachrichten, von Reizen/Impulsen oder gar das Auftreten von Falschmeldungen machen uns den schšpferischen Vorgang Wahrnehmung bewu§t.

 

3. Spr.:

Der Arzt und Psycholinguist Alfred A. Tomatis hat vom Ohr als ÒOrgan der MenschwerdungÓ gesprochen. Es fungiert als ÒDynamoÓ, der die Energie in Nervenimpulse umwandelt und an das Gehirn weiterleitet. Stšrungen im Hšrsinn werden besonders quþlend empfunden und haben oft starke depressive Verstimmungen zur Folge. Bei taubstummen Kindern hat man Ÿberdies ein extrem aggressives Verhalten festgestellt. Das Ohr wird auch das Seelenorgan genannt. Aus Sicht der Neurowissenschaft ist die stþrkere Verflechtung des Hšrnervs mit der thalamischen Region des Gehirns - das ist die grš§te, obere Region des Gehirns - dafŸr verantwortlich, da§ Hšren stþrker den subjektiven Standort mitbedenkt und einen Nahraum konstruiert.

 

1. Spr.:

Die Neurowissenschaften und entsprechende Technologien haben inzwischen die Herstellung von Implantaten ermšglicht, die stark beeintrþchtigtes Hšren verbessern und dazu fŸhren, Klangfrequenzen unterscheiden zu lernen.

Die von au§en kommenden Schallwellen werden mittels eines Mikrofons im Ohr empfangen und in elektrische Signale umgewandelt. Elektroden geben dann die Tšne als elektrische Entladungen an das Nervensystem weiter. Der amerikanische Erforscher kŸnstlicher Intelligenz Rodney Brooks erklþrt diesen Vorgang so:

 

3. Spr.:

Die Elektroden werden neben Nervenzellen eingepflanzt, die in einem gesunden Ohr die (durch die Bewegung der Hþrchen in der Schnecke stimulierten) Signale von Sinneszellen empfangen wŸrden. Die Elektroden werden Ÿber die Lþnge der Gehšrschnecke an die Orte gesetzt, die im Hšrorgan normalerweise auf die entsprechenden Frequenzen reagieren.

 

1. Spr.:

Mit diesen Implantaten kšnnen vorher ertaubte Patienten gesprochene Sprache wieder verstehen. Die geringe Frequenzbandbreite erlaubt es ihnen derzeit aber noch nicht, Musik oder andere Klþnge gut genug zu hšren, um sie genie§en zu kšnnen, aber dies kšnnte sich mit weiterentwickelten Implantaten verbessern. Sowohl in den USA als auch in Europa wird bereits im Rahmen von Forschungsprogrammen intensiv an der Entwicklung solcher Gerþte gearbeitet.

 

3. Spr.:

Die Implantate werden chirurgisch ins Ohr eingesetzt und die Elektroden permanent implantiert, so da§ damit eine direkte elektrische Verbindung zwischen der þu§eren Elektronik und dem Nervensystem des Patienten hergestellt wird. Das Hšren ist bei diesen Menschen also nur durch eine Kombination von Natur und Technik wieder mšglich geworden.

 

1. Spr.:

Wie weit solche Implantate auf unser Bewu§tsein und Gedþchtnis einwirken kšnnen, ist bisher allerdings noch nicht ausgiebig erforscht worden.

 

3. Spr.:

Mithilfe des Gedþchtnisses und der ins Gedþchtnis aufgenommenen Informationen bildet sich in jedem Menschen eine ganz eigene Wirklichkeit und Dynamik von Wechselwirkungen zwischen einzelnen Abschnitten des Zentralnervensystems heraus. Die verschiedenen Regionen des Gehirns verarbeiten die als positiv und als negativ erlebten Situationen und Szenen unterschiedlich. Verantwortlich sind vor allem die Stirn- und Schlþfenlappen der Gro§hirnrinde und das Limbische System, die in einer hšchst komplizierten und rþumlich unŸbersichtlichen Weise miteinander verknŸpft sind.

 

1. Spr.:

Wir werden auf das Limbische System, wegen seiner Ÿberaus bedeutsamen Stellung, noch einmal zu sprechen kommen. Im Augenblick ist es wichtig, sich klar zu machen, da§ zentrale Strukturen im Gehirn in unmittelbarer Beziehung zu den Emotionen und emotionalen Bewertungen stehen.

 

 

 

3. Spr.:

FŸr bestimmte Hšrschþdigungen ist das Limbische System zwar sehr stark mitverantwortlich, zugleich aber ist es auch zugþnglich fŸr Verþnderungen.

Stammesgeschichtlich umfa§t dieses System alte Strukturen und kŸmmert sich um die Steuerung von Motivationen, GefŸhlen und Gestimmtheiten. Es erhþlt Signale von allen anderen Hirnrindenarealen und sendet seinerseits Signale aus. Es bewertet die Aktivitþtsmuster der Hirnrindenareale.

 

1. Spr.:

Was grundsþtzlich eine Qualitþt ist, die Fþhigkeit zur Speicherung, hat im Fall bestimmter Hšrschþdigungen die fatale Folge, da§ auch die Negativbewertung und das traumatische Erleben aufbewahrt werden. Zugleich liegt aber gerade hier die Chance zur Verþnderung, zur Umwertung des Geschehenen. Das verlangt nach einer therapeutischen Ausweitung und geht Ÿber die rein medizinische naturwissenschaftlich-kausale Therapie hinaus.

 

3. Spr.:

Ein hirnphysiologischer Dogmatismus, der allein aus dem Zusammenspiel von Nervenzellen das mentale und emotionale Geschehen in einem Individuum erklþren will, scheint unangebracht. Auch ist es fŸr die Weiterentwicklung von Therapieformen wenig hilfreich, nur auf die Entwicklung kausaler Therapieverfahren in der Umsetzung hirnphysiologischer Grundlagenforschung zu bauen.

 

1. Spr.:

Apodiktische Behauptungen - wie z.B.: Òmentale und psychische Funktionen beruhen auf Ablþufen in unserem Gehirn ...Ó - blockieren die TŸr zu kooperativen Aktivitþten mit den Geisteswissenschaften und zu integrativen, komplexen Therapieformen.

 

3. Spr.:

Die ÒArchitektur der Verbindung zwischen NervenzellenÓ steht in enger Verbindung und Wechselwirkung mit anderen geistigen und emotionalen Architekturen und stets einzigartigen Lebensgeschichten. Die synaptischen Verþnderungen und Stabilisierungen bilden bei jedem Menschen ein ganz eigenes ÒWertekategoriengedþchtnisÓ heraus.

 

1. Spr.:

Ohne eine je individuelle lebensgeschichtliche Spurensuche, Rekonstruktion und Aufarbeitung der Erlebnisse, die zu einem negativ stark belasteten und von Traumata mitgeformten Wertegedþchtnis gefŸhrt haben, lassen sich die in Symptomen und Krankheiten manifestierten Folgeerscheinungen nicht auflšsen.

 

3. Spr.:

Die frŸheren und die gegenwþrtigen Erfahrungen und Wahrnehmungen werden auf eine komplexe Weise im Gehirn, in den neuronalen Prozessen, im Gedþchtnis, im Bewu§tsein und im Unbewu§ten miteinander verknŸpft. Unablþssig werden in den neuralen Prozessen, im Bewu§tsein und im Unbewu§ten Leistungen der Integration vollbracht.

 

1. Spr.:

Hšren und Sehen sind also þu§erst vielschichtige Lernprozesse. Diese Erkenntnis - die Eltern und Erziehern sehr vertraut ist - bildet einen Schwerpunkt der Hirnforschung. Dies lþ§t sich auch an einem auf das Sehen bezogenen Beispiel, das selbst fŸr Spezialisten von einer gewissen Brisanz ist, eindringlich zeigen:

 

3. Spr.:

Die meisten der Blinden, die durch eine spþt erfolgte Operation sehen lernten, waren nicht in der Lage, die erstmals verfŸgbaren visuellen Reize und Signale zu ertragen und sinnvoll einzuordnen. Licht empfanden sie Ÿberdies als schmerzhaft, ja sogar als unertrþgliches Gerþusch. Dazu bemerkt der Direktor der Frankfurter Max-Planck-Instituts fŸr Hirnforschung  Wolf Singer:

 

2. Spr. :

ÒDie Patienten vermochten sich nicht von ihrer bisherigen Strategie zu lšsen, Rþumlichkeit als die ertastete Sequenz nacheinander eintreffender Ereignisse zu interpretieren. Die neuerschlossene Sinneswelt stellte sich als unentwirrbares Chaos dar. Bei den meisten Patienten traten tiefe und behandlungsbedŸrftige Depressionen auf.Ó

 

1. Spr.:

Die Flut der Bilder und die FŸlle der Gerþusche, die unablþssig in uns eindringen, mŸssen im Gehirn strukturiert und bewertet werden. Dies geschieht in komplizierten Schaltungen und Lernvorgþngen. Eine Augenoperation, die jedem Au§enstehenden als das grš§te GlŸck erscheinen mag, kann zu unvorhersehbaren Schwierigkeiten fŸhren und ein einmal eingespieltes, funktionierendes System von Grund auf irritieren.

 

2. Spr. :

ÒMit nur wenigen Ausnahmen fielen die Patienten nach einer kurzen Phase vergeblicher LernbemŸhungen in ihren Blindenalltag zurŸck... Der kognitive Proze§ - eine Leistung des Zentralnervensystems - war nicht ohne weiteres reparabel.Ó

 

1. Spr.:

Wie wir bereits ausfŸhrlich in bezug auf das Hšren dargestellt haben, gibt es im Gehirn Mechanismen, die Erlebtes mit emotionalen Bewertungen (positiv, negativ, indifferent) versehen. Bewertungen sind notwendig, um der unendlichen Vielfalt von Kombinationen einen Sinn, eine Richtung und Stimmigkeit zu verleihen. Bewertung und Kontrolle schaffen eine Basis, auf der wiederum neue VerknŸpfungen sinnvoll erfolgen kšnnen. Nur ein sehr kleiner Bruchteil der Prozesse, die im Gehirn stþndig ablaufen, wird uns bewu§t. Stšrungen in der Wahrnehmung lenken, sofern wir sie verstehen wollen, unsere Aufmerksamkeit auf Gehirn- und Nervenzellen-Aktivitþten.

 

2. Spr. :

ÒHeute wei§ man, da§ der Strom der Nervenimpulse nicht linear flie§t, sondern in mannigfacher Weise parallel, wozu auch InformationsŸbermittlungen gehšren, die sich nicht entlang von Nervenbahnen ausbreiten. Wþhrend der Cortex (also die þu§ere Oberflþche des Gehirns) unser Abbild der Wirklichkeit enthþlt und analysiert, was au§erhalb von uns vor sich geht, ist es das Limbische System, das die Bewertung dieser Information vornimmt.Ó

 

1. Spr.:

Das in dieser Feststellung von der Medizinerin Susanne Hahn erwþhnte Limbische System ist, um dies noch etwas prþziser zu fassen, keine anatomische Struktur, sondern ein theoretisches Konzept, eine nur vage definierbare Einheit hochvernetzter Strukturen. Es ist sinnvoll, die neurowissenschaftlich ermittelten Informationen dieses Systems mit der psychoanalytischen, lebensgeschichtlich orientierten Bewertung von Informationen zu vermitteln.

 

 

 

3. Spr.:

Ein einfaches Beispiel zur Funktionsweise des Limbischen Systems: Jemand, der an einer Hyperakusis, also einer GerþuschŸberempfindlichkeit, leidet, kann die enorme Lautstþrke in einer Discothek gegebenenfalls gut ertragen, weil er dort mit einer Frau zusammen ist, in die er sich, wie man nicht zufþllig sagt, ҟber beide OhrenÓ verliebt hat. Das Limbische System wertet die Lautstþrke als angenehm, wþhrend eine ganz und gar wohlklingende, harmonische Meditationsmusik, nur etwas zu laut gestellt, von dem gleichen Mann schon als unertrþglich empfunden werden kann, nur weil er sich in der Umgebung nicht wohl fŸhlt. In einem anderen Fall kann jemand all die Gerþusche, die seiner gestšrten Hšrempfindung entsprechen - wie der Lþrm der Kreissþge, die Piepstšne des Faxgerþtes oder Handys - nicht ertragen. Da scheint eine þu§ere Frequenz genau die Frequenz seiner gestšrten Hšrbahn zu treffen und vom Limbischen System entsprechend negativ bewertet zu werden.

 

1. Spr.:

In einem Zeitungsartikel Ÿber das neue Leipzig wird die ganze Bandbreite der emotionalen Bewertung besonders deutlich:

 

2. Spr. :

ÒLange war in Leipzig Baulþrm Musik in den Ohren, denn sein Dršhnen untermalte eine Auferstehung. Die Innenstadt gewann ihre Konturen zurŸck, ihre Barockhþuser und -hšfe, die Messepalþste und Passagen der Jahrhundertwende, den grandiosen Augustusplatz und das entzŸckende Eck am historischen ÔCoffee-BaumÕ.Ó

 

1. Spr.:

Und der Musiktherapeut John Beaulieu bemerkt:

 

2. Spr.:

ÒJedes Gerþusch steht unserer Wahrnehmung zur VerfŸgung. Das schlie§t schrille Zugsignale, Sprache, Martinshšrner, populþre Schlager, Staubsaugersummen, jede Art von Musik, Motorengerþusche und so weiter ein. Der Umstand, da§ es keine ÔgutenÕ oder ÔschlechtenÕ Gerþusche gibt, ist besonders wichtig. ÔGuteÕ oder ÔschlechteÕ Gerþusche werden von uns erst gemacht. Derartige Bewertungen  kšnnen uns hšchstens in unserem Wahrnehmungsvermšgen beeintrþchtigen und daran hindern, die tieferen Schichten der Tšne zu erfahren. Ich erinnere mich, wie ich als Kind einmal auf eine BlechbŸchse schlug und an den verschiedenen Rhythmen meine Freude hatte. Unser Nachbar sagte: ÔHšr auf mit dem Lþrm!Õ Was fŸr mich Musik war, hatte er als stšrenden Krach empfunden. Wenn wir ein Gerþusch wahrnehmen, ohne wirklich zuzuhšren, so empfinden wir es hþufig als Lþrm...Ó

 

1. Spr.:

Das Limbische System ist also ein emotionales Wertungssystem, das in enger Wechselwirkung mit der Hirnrinde steht und aus neurowissenschaftlicher Sicht eine allgemeine Struktur hat. Wie diese wenigen Beispiele aber schon verdeutlichen, kann erst die individuelle Untersuchung und gegebenenfalls therapeutische Behandlung die Ursachenkonstellationen gerade der Stšrungen aufklþren. In den vorhin zuerst gegebenen Beispielen mŸ§te man die individuell spezifisch gestšrte VerknŸpfung im Gehirn zwischen den Nervenzellen des Limbischen Systems und dem verzerrten Aufmerksamkeitsfilter auflšsen, um die zerstšrerischen Wirkungen aufheben zu kšnnen.

 

3. Spr.:

In neurowissenschaftlicher Betrachtungsweise ist die sogenannte ÒGrundverschaltungÓ des Gehirns zwar genetisch festgelegt, aber die Reifung und funktionale Anpassung des Gehirns an das Leben sind mit der Geburt noch lþngst nicht abgeschlossen. Die neuere Hirnforschung, die tiefe Einblicke in die Struktur und in die Verþnderungsmšglichkeiten der Gehirnareale gewonnen hat, gibt zu der Hoffnung Anla§, da§ wir bald effektivere Therapieverfahren bei Epilepsie, Schmerz, Angst und Parkinson entwickeln werden. Skeptisch sind viele Forscher in bezug auf andere Krankheiten, wie Schizophrenie und Depression, multiple Sklerose und Alzheimer.

 

2. Spr. :

ÒDie Geistes- und GemŸtskrankheiten, so die Schizophrenie und die Depression, entbehren bisher jeglicher kausaler Erklþrung und Therapie. Obgleich sich die Hinweise mehren, da§ diese Erkrankungen auf fehlerhaften Funktionen des Gehirns beruhen, also strukturelle und biochemische Ursachen haben, die zum Teil sogar genetisch bedingt sind, ist es bisher nicht gelungen, die Stšrungen einzugrenzen. Bei einer Gruppe anderer Erkrankungen sind Ort und Art der pathologischen Prozesse bekannt, es fehlen jedoch wirksame Therapien. Dies gilt fŸr die multiple Sklerose ebenso wie fŸr eine Vielzahl degenerativer Erkrankungen des Zentralnervensystems. Die Alzheimersche Erkrankung, die wegen der steigenden Lebenserwartung immer bedrohlicher wird, gehšrt

hierzu. Ò

 

1. Spr.:

Auch wenn Hirnforscher wie etwa Wolf Singer keineswegs ihre Disziplin als Allheilmittel anpreisen, so ist doch ihr Anspruch unverkennbar, da§ bei weiter fortgeschrittener Grundlagenforschung auch bessere Therapieverfahren bei allen Krankheiten entwickelt werden kšnnen.

 

3. Spr.:

Methoden und Medikamente, die zur Zeit aus der Hirnforschung hervorgehen, sind selbst dann, wenn sie die Krankheiten nicht ursþchlich heilen kšnnen, von besonderer Bedeutung in den Fþllen, in denen sie die soziale Isolierung und Stigmatisierung schwerkranker Menschen verringern kšnnen. Dies gelingt etwa mit sogenannten Retina-Implantaten bei Erblindeten oder mit der Tiefenstimulation mittels einer ins Gehirn implantierten Metallsonde bei SchŸttellþhmung. Ebenso wichtig ist aber eine begleitende psychologische oder therapeutische Beratung, damit die Betroffenen mit den Schwierigkeiten der neuen Situationen und den erforderlichen neuen GefŸhlen zurechtkommen.

 

1. Spr.:

Erstaunlicherweise sprechen allerdings viele Hirnforscher nicht die Notwendigkeit einer Kooperation mit der Psychoanalyse an, der wir doch eine derartige FŸlle an theoretischen und praktischen Einsichten in Krankheitsphþnomene und deren individuelle Genese zu verdanken haben.

 

3. Spr.:

Die Bedeutung, die das Unbewu§te fŸr die Psychoanalyse innehat, Ÿbernimmt in dieser Forschung das Gehirn. Es wird beschrieben als ein selbstorganisierendes und dezentrales (also nicht von einer Instanz, einer Art ÒBeobachter im GehirnÓ gesteuertes) System. In der Hirnforschung versucht ein Denksystem sich selbst zu ergrŸnden, indem es sich im Spiegel naturwissenschaftlicher Beschreibungen betrachtet. Die moderne Hirnforschung mšchte in die innersten Sphþren des Menschseins vordringen und zeigen, wie aus dem vielfþltigen Zusammenspiel von Nervenzellen, also von materiellen Bausteinen, geistige Phþnomene hervorgehen.

 

3. Spr.:

Stets gewinnen die Wissenschaften aus zwei gegenlþufigen Tendenzen ihre grš§ten Impulse und Wirkmšglichkeiten: nþmlich einerseits aus der Isolierung und Abschottung gegen andere Disziplinen, also durch die geradezu arrogante SelbstŸberhšhung und die dadurch mšglich werdende Konzentration auf eine Fragestellung, und andererseits durch den Willen zur Kooperation. Die interdisziplinþre Forschung im weiten Feld zwischen Geistes- und Naturwissenschaften, und speziell zwischen Psychoanalyse, Hirnforschung und Neurophysiologie, offenbart immer deutlicher, wie fruchtbar beide Tendenzen sind. Man mu§ sie gleichsam wie zwei Flu§lþufe betrachten, die zeitweise eigene Wege gehen und dann wieder zueinander finden.

 

1. Spr.:

Einige Vertreter der Hirnforschung haben lþngst erkannt, wie bedeutsam fŸr ihre eigene Forschung die Psychoanalyse sein kann. Dennoch tun sie sich schwer, den Schritt zu einer gleichberechtigten Kooperation beider Disziplinen zu machen. So lþ§t die Tatsache, da§ der zur Zeit wohl populþrste Hirnforscher, Wolf Singer, eine bereits angekŸndigte Kommentierung von Alfred Lorenzers interdisziplinþrem Ansatz schlie§lich zurŸckgezogen hat, vor allem zwei Vermutungen zu: Singer konnte dem psychoanalytischen Vermittlungsansatz von Lorenzer doch zu wenig fŸr seine eigene Forschung abgewinnen, oder ihn haben Lorenzers †berlegungen eher noch darin bestþrkt, da§ die effektiveren Therapien vonseiten der modernen Hirnforschung ausgehen wŸrden. Wenn die Hirnforschung einen ernstgemeinten Schritt auf die Psychoanalyse zugeht, kann sie Behauptungen wie die folgende in Singers Buch Der Beobachter im Gehirn nicht weiter aufrecht erhalten:

 

2. Spr.:

ÒEs gibt derzeit keinen Grund daran zu zweifeln, da§ auch mentale und psychische Funktionen auf Ablþufen in unserem Gehirn beruhen, die sich im Rahmen naturwissenschaftlicher Beschreibungssysteme darstellen und untersuchen lassen ... Wir werden eines Tages keine Schwierigkeiten mehr haben, Bewu§tsein und GefŸhle als emergente  Eigenschaften hochkomplexer Gehirne zu verstehen...Ó

 

3. Spr.:

Die Kooperation von Neurowissenschaft und Psychoanalyse ist ausschlie§lich Gegenstand der nþchsten Folge dieser Sendereihe. In einer solchen Zusammenarbeit sind weitreichende Mšglichkeiten fŸr die Behandlung psychischer und neurologischer Krankheiten beschlossen. Dabei mŸ§te gerade auch der psychosomatischen Medizin, die vielfach durch die viel zu hoch geschraubten Erwartungen an die Neurowissenschaften an die Seite gedrþngt wird, eine neue, grundsþtzliche Bedeutung zukommen; einer Psychosomatik, die sowohl Natur- als auch Geisteswissenschaft ist.